VermG

Vermögensgesetz

Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen

Vom 23.9.1990

Neugefasst am 9.2.2005

Zuletzt geändert am 21.11.2016

Abschnitt I
Allgemeine Bestimmungen
§ 1Geltungsbereich § 2Begriffsbestimmung § 2aErbengemeinschaft
Abschnitt II
Rückübertragung von Vermögenswerten
§ 3Grundsatz § 3a(weggefallen) § 3bGesamtvollstreckungsverfahren, Zwangsversteigerungsverfahren § 3cErlaubte Veräußerungen § 4Ausschluss der Rückübertragung § 5Ausschluss der Rückübertragung von Eigentumsrechten an Grundstücken und Gebäuden § 6Rückübertragung von Unternehmen § 6aVorläufige Einweisung § 6bEntflechtung § 7Wertausgleich § 7aGegenleistung § 8Wahlrecht § 9(weggefallen) § 10Bewegliche Sachen
Abschnitt III
Aufhebung der staatlichen Verwaltung
§ 11Grundsatz § 11aBeendigung der staatlichen Verwaltung § 11bVertreter des Eigentümers § 11cGenehmigungsvorbehalt § 12Staatlich verwaltete Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen § 13Haftung des staatlichen Verwalters § 14 § 14aWerterhöhungen durch den staatlichen Verwalter § 15Befugnisse des staatlichen Verwalters
Abschnitt IV
Rechtsverhältnisse zwischen Berechtigten und Dritten
§ 16Übernahme von Rechten und Pflichten § 17Miet- und Nutzungsrechte § 18Grundstücksbelastungen § 18aRückübertragung des Grundstücks § 18bHerausgabe des Ablösebetrages § 19(weggefallen) § 20Vorkaufsrecht von Mietern und Nutzern § 20aVorkaufsrecht des Berechtigten § 21Ersatzgrundstück
Abschnitt V
Organisation
§ 22Durchführung der Regelung offener Vermögensfragen § 23Landesbehörden § 24Untere Landesbehörden § 25Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen § 26Widerspruchsausschüsse § 27Amts- und Rechtshilfe § 28Übergangsregelungen § 29Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen § 29a(weggefallen)
Abschnitt VI
Verfahrensregelungen
§ 30Antrag § 30aAusschlussfrist § 30bAnmeldevermerk § 31Pflichten der Behörde § 32Beabsichtigte Entscheidung, Auskunft § 33Entscheidung § 33aFälligkeit, Verzinsung § 34Eigentumsübergang, Grundbuchberichtigung und Löschung von Vermerken über die staatliche Verwaltung § 35Örtliche Zuständigkeit § 36Widerspruchsverfahren § 37Gerichtliches Verfahren § 38Kosten § 38aSchiedsgericht, Schiedsverfahren § 39(Außerkrafttreten anderer Vorschriften) § 40Verordnungsermächtigung § 41Überleitungsvorschrift
Abschnitt I
Allgemeine Bestimmungen

§ 1

Geltungsbereich

(1) Dieses Gesetz regelt vermögensrechtliche Ansprüche an Vermögenswerten, die

a) entschädigungslos enteignet und in Volkseigentum überführt wurden;
b) gegen eine geringere Entschädigung enteignet wurden, als sie Bürgern der früheren Deutschen Demokratischen Republik zustand;
c) durch staatliche Verwalter oder nach Überführung in Volkseigentum durch den Verfügungsberechtigten an Dritte veräußert wurden;
d) auf der Grundlage des Beschlusses des Präsidiums des Ministerrates vom 9. Februar 1972 und im Zusammenhang stehender Regelungen in Volkseigentum übergeleitet wurden.

(2) Dieses Gesetz gilt des weiteren für bebaute Grundstücke und Gebäude, die auf Grund nicht kostendeckender Mieten und infolgedessen eingetretener oder unmittelbar bevorstehender Überschuldung durch Enteignung, Eigentumsverzicht, Schenkung oder Erbausschlagung in Volkseigentum übernommen wurden.

(3) Dieses Gesetz betrifft auch Ansprüche an Vermögenswerten sowie Nutzungsrechte, die auf Grund unlauterer Machenschaften, zum Beispiel durch Machtmißbrauch, Korruption, Nötigung oder Täuschung von seiten des Erwerbers, staatlicher Stellen oder Dritter, erworben wurden.

(4) Dieses Gesetz regelt ferner die Aufhebung der

- staatlichen Treuhandverwaltung über Vermögenswerte von Bürgern, die das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik ohne die zum damaligen Zeitpunkt erforderliche Genehmigung verlassen haben;
- vorläufigen Verwaltung über Vermögenswerte von Bürgern der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) sowie von juristischen Personen mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland oder Berlin (West), die Staatsorganen der Deutschen Demokratischen Republik durch Rechtsvorschrift übertragen wurde;
- Verwaltung des ausländischen Vermögens, die der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik übertragen wurde
(im folgenden staatliche Verwaltung genannt) und die damit im Zusammenhang stehenden Ansprüche der Eigentümer und Berechtigten.

(5) Dieses Gesetz schließt die Behandlung von Forderungen und anderen Rechten in bezug auf Vermögenswerte gemäß den Absätzen 1 bis 4 ein.

(6) 1Dieses Gesetz ist entsprechend auf vermögensrechtliche Ansprüche von Bürgern und Vereinigungen anzuwenden, die in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden und deshalb ihr Vermögen infolge von Zwangsverkäufen, Enteignungen oder auf andere Weise verloren haben. 2Zugunsten des Berechtigten wird ein verfolgungsbedingter Vermögensverlust nach Maßgabe des II. 3Abschnitts der Anordnung BK/.

(49) 180 der Alliierten Kommandantur Berlin vom 26. Juli 1949 (VOBl. für Groß-Berlin I S. 221) vermutet.

(7) Dieses Gesetz gilt entsprechend für die Rückgabe von Vermögenswerten, die im Zusammenhang mit der nach anderen Vorschriften erfolgten Aufhebung rechtsstaatswidriger straf-, ordnungsstraf- oder verwaltungsrechtlicher Entscheidungen steht.

(8) Dieses Gesetz gilt vorbehaltlich seiner Bestimmungen über Zuständigkeiten und Verfahren nicht für

a) Enteignungen von Vermögenswerten auf besatzungsrechtlicher oder besatzungshoheitlicher Grundlage; Ansprüche nach den Absätzen 6 und 7 bleiben unberührt;
b) vermögensrechtliche Ansprüche, die seitens der Deutschen Demokratischen Republik durch zwischenstaatliche Vereinbarungen geregelt wurden;
c) Anteilrechte an der Altguthabenablösungsanleihe;
d) Ansprüche von Gebietskörperschaften des beitretenden Gebiets gemäß Artikel 3 des Einigungsvertrages, soweit sie vom Kommunalvermögensgesetz vom 6. Juli 1990 (GBl. I Nr. 42 S. 660) erfasst sind.