BNatSchG

Bundesnaturschutzgesetz

Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege

Vom 29.7.2009

Zuletzt geändert am 15.9.2017

Kapitel 1
Allgemeine Vorschriften
§ 1Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege § 2Verwirklichung der Ziele § 3Zuständigkeiten, Aufgaben und Befugnisse, vertragliche Vereinbarungen, Zusammenarbeit der Behörden § 4Funktionssicherung bei Flächen für öffentliche Zwecke § 5Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft § 6Beobachtung von Natur und Landschaft § 7Begriffsbestimmungen
Kapitel 2
Landschaftsplanung
§ 8Allgemeiner Grundsatz § 9Aufgaben und Inhalte der Landschaftsplanung; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 10Landschaftsprogramme und Landschaftsrahmenpläne § 11Landschaftspläne und Grünordnungspläne § 12Zusammenwirken der Länder bei der Planung
Kapitel 3
Allgemeiner Schutz von Natur und Landschaft
§ 13Allgemeiner Grundsatz § 14Eingriffe in Natur und Landschaft § 15Verursacherpflichten, Unzulässigkeit von Eingriffen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 16Bevorratung von Kompensationsmaßnahmen § 17Verfahren; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 18Verhältnis zum Baurecht § 19Schäden an bestimmten Arten und natürlichen Lebensräumen
Kapitel 4
Schutz bestimmter Teile von Natur und Landschaft
Abschnitt 1
Biotopverbund und Biotopvernetzung; geschützte Teile von Natur und Landschaft
§ 20Allgemeine Grundsätze § 21Biotopverbund, Biotopvernetzung § 22Erklärung zum geschützten Teil von Natur und Landschaft § 23Naturschutzgebiete § 24Nationalparke, Nationale Naturmonumente § 25Biosphärenreservate § 26Landschaftsschutzgebiete § 27Naturparke § 28Naturdenkmäler § 29Geschützte Landschaftsbestandteile § 30Gesetzlich geschützte Biotope
Abschnitt 2
Netz „Natura 2000“
§ 31Aufbau und Schutz des Netzes „Natura 2000“ § 32Schutzgebiete § 33Allgemeine Schutzvorschriften § 34Verträglichkeit und Unzulässigkeit von Projekten; Ausnahmen § 35Gentechnisch veränderte Organismen § 36Pläne
Kapitel 5
Schutz der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten, ihrer Lebensstätten und Biotope
Abschnitt 1
Allgemeine Vorschriften
§ 37Aufgaben des Artenschutzes § 38Allgemeine Vorschriften für den Arten-, Lebensstätten- und Biotopschutz
Abschnitt 2
Allgemeiner Artenschutz
§ 39Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 40Ausbringen von Pflanzen und Tieren § 40aMaßnahmen gegen invasive Arten § 40bNachweispflicht und Einziehung bei invasiven Arten § 40cGenehmigungen § 40dAktionsplan zu Pfaden invasiver Arten § 40eManagementmaßnahmen § 40fBeteiligung der Öffentlichkeit § 41Vogelschutz an Energiefreileitungen § 42Zoos § 43Tiergehege
Abschnitt 3
Besonderer Artenschutz
§ 44Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten § 45Ausnahmen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 46Nachweispflicht § 47Einziehung und Beschlagnahme
Abschnitt 4
Zuständige Behörden, Verbringen von Tieren und Pflanzen
§ 48Zuständige Behörden für den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels § 48aZuständige Behörden in Bezug auf invasive Arten § 49Mitwirkung der Zollbehörden § 50Anmeldepflicht bei der Ein-, Durch- und Ausfuhr oder dem Verbringen aus Drittstaaten § 51Inverwahrungnahme, Beschlagnahme und Einziehung durch die Zollbehörden § 51aÜberwachung des Verbringens invasiver Arten in die Union
Abschnitt 5
Auskunfts- und Zutrittsrecht; Gebühren und Auslagen
§ 52Auskunfts- und Zutrittsrecht § 53Gebühren und Auslagen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
Abschnitt 6
Ermächtigungen
§ 54Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 55Durchführung gemeinschaftsrechtlicher oder internationaler Vorschriften; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
Kapitel 6
Meeresnaturschutz
§ 56Geltungs- und Anwendungsbereich § 56aBevorratung von Kompensationsmaßnahmen § 57Geschützte Meeresgebiete im Bereich der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone und des Festlandsockels; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen § 58Zuständige Behörden; Gebühren und Auslagen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
Kapitel 7
Erholung in Natur und Landschaft
§ 59Betreten der freien Landschaft § 60Haftung § 61Freihaltung von Gewässern und Uferzonen § 62Bereitstellen von Grundstücken
Kapitel 8
Mitwirkung von anerkannten Naturschutzvereinigungen
§ 63Mitwirkungsrechte § 64Rechtsbehelfe
Kapitel 9
Eigentumsbindung, Befreiungen
§ 65Duldungspflicht § 66Vorkaufsrecht § 67Befreiungen § 68Beschränkungen des Eigentums; Entschädigung und Ausgleich
Kapitel 10
Bußgeld- und Strafvorschriften
§ 69Bußgeldvorschriften § 70Verwaltungsbehörde § 71Strafvorschriften § 71aStrafvorschriften § 72Einziehung § 73Befugnisse der Zollbehörden
Kapitel 11
Übergangs- und Überleitungsvorschrift
§ 74Übergangs- und Überleitungsregelungen
Kapitel 1
Allgemeine Vorschriften

§ 1

Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege

(1) Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze so zu schützen, dass

1. die biologische Vielfalt,
2. die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie
3. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft
auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz).

(2) Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt sind entsprechend dem jeweiligen Gefährdungsgrad insbesondere

1. lebensfähige Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten zu erhalten und der Austausch zwischen den Populationen sowie Wanderungen und Wiederbesiedelungen zu ermöglichen,
2. Gefährdungen von natürlich vorkommenden Ökosystemen, Biotopen und Arten entgegenzuwirken,
3. Lebensgemeinschaften und Biotope mit ihren strukturellen und geografischen Eigenheiten in einer repräsentativen Verteilung zu erhalten; bestimmte Landschaftsteile sollen der natürlichen Dynamik überlassen bleiben.

(3) Zur dauerhaften Sicherung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts sind insbesondere

1. die räumlich abgrenzbaren Teile seines Wirkungsgefüges im Hinblick auf die prägenden biologischen Funktionen, Stoff- und Energieflüsse sowie landschaftlichen Strukturen zu schützen; Naturgüter, die sich nicht erneuern, sind sparsam und schonend zu nutzen; sich erneuernde Naturgüter dürfen nur so genutzt werden, dass sie auf Dauer zur Verfügung stehen,
2. Böden so zu erhalten, dass sie ihre Funktion im Naturhaushalt erfüllen können; nicht mehr genutzte versiegelte Flächen sind zu renaturieren, oder, soweit eine Entsiegelung nicht möglich oder nicht zumutbar ist, der natürlichen Entwicklung zu überlassen,
3. Meeres- und Binnengewässer vor Beeinträchtigungen zu bewahren und ihre natürliche Selbstreinigungsfähigkeit und Dynamik zu erhalten; dies gilt insbesondere für natürliche und naturnahe Gewässer einschließlich ihrer Ufer, Auen und sonstigen Rückhalteflächen; Hochwasserschutz hat auch durch natürliche oder naturnahe Maßnahmen zu erfolgen; für den vorsorgenden Grundwasserschutz sowie für einen ausgeglichenen Niederschlags-Abflusshaushalt ist auch durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege Sorge zu tragen,
4. Luft und Klima auch durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu schützen; dies gilt insbesondere für Flächen mit günstiger lufthygienischer oder klimatischer Wirkung wie Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiete oder Luftaustauschbahnen; dem Aufbau einer nachhaltigen Energieversorgung insbesondere durch zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien kommt eine besondere Bedeutung zu,
5. wild lebende Tiere und Pflanzen, ihre Lebensgemeinschaften sowie ihre Biotope und Lebensstätten auch im Hinblick auf ihre jeweiligen Funktionen im Naturhaushalt zu erhalten,
6. der Entwicklung sich selbst regulierender Ökosysteme auf hierfür geeigneten Flächen Raum und Zeit zu geben.

(4) Zur dauerhaften Sicherung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft sind insbesondere

1. Naturlandschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften, auch mit ihren Kultur-, Bau- und Bodendenkmälern, vor Verunstaltung, Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu bewahren,
2. zum Zweck der Erholung in der freien Landschaft nach ihrer Beschaffenheit und Lage geeignete Flächen vor allem im besiedelten und siedlungsnahen Bereich zu schützen und zugänglich zu machen.

(5) 1Großflächige, weitgehend unzerschnittene Landschaftsräume sind vor weiterer Zerschneidung zu bewahren. 2Die erneute Inanspruchnahme bereits bebauter Flächen sowie die Bebauung unbebauter Flächen im beplanten und unbeplanten Innenbereich, soweit sie nicht für Grünflächen vorgesehen sind, hat Vorrang vor der Inanspruchnahme von Freiflächen im Außenbereich. 3Verkehrswege, Energieleitungen und ähnliche Vorhaben sollen landschaftsgerecht geführt, gestaltet und so gebündelt werden, dass die Zerschneidung und die Inanspruchnahme der Landschaft sowie Beeinträchtigungen des Naturhaushalts vermieden oder so gering wie möglich gehalten werden. 4Beim Aufsuchen und bei der Gewinnung von Bodenschätzen, bei Abgrabungen und Aufschüttungen sind dauernde Schäden des Naturhaushalts und Zerstörungen wertvoller Landschaftsteile zu vermeiden; unvermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sind insbesondere durch Förderung natürlicher Sukzession, Renaturierung, naturnahe Gestaltung, Wiedernutzbarmachung oder Rekultivierung auszugleichen oder zu mindern.

(6) Freiräume im besiedelten und siedlungsnahen Bereich einschließlich ihrer Bestandteile, wie Parkanlagen, großflächige Grünanlagen und Grünzüge, Wälder und Waldränder, Bäume und Gehölzstrukturen, Fluss- und Bachläufe mit ihren Uferzonen und Auenbereichen, stehende Gewässer, Naturerfahrungsräume sowie gartenbau- und landwirtschaftlich genutzte Flächen, sind zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, neu zu schaffen.